Mohr mit 98,2 Prozent nominiert

21.03.2012

aus: Verdener Nachrichten vom 17. März 2012

Mit 107 Stimmen (98 Prozent) hat die CDU im Wahlkreis 61 Adrian Mohr am Donnerstagabend in einer Urwahl zum Kandidaten für die Landtagswahl am 20. Januar 2013 nominiert. Er war der einzige Bewerber. Der 38 Jahre alte Sparkassenbetriebswirt aus Dörverden will Wilhelm Hogrefe beerben, der seit 1994 im Leineschloss sitzt.
 
Verden.
Hogrefe hatte lange mit sich gehadert, ob er seinen Platz für einen Jüngeren räumen sollte. Nun aber sei er „gelassen und fröhlich", rief der 62-Jährige seinen Parteifreunden im Morsumer Gasthaus Döhling zu. Der Kirchlintler selbst hatte seinen politischen Ziehsohn Mohr vorgeschlagen, der vor drei Jahren bereits sein Nachfolger als Vorsitzender des CDU-Kreisverbandes geworden war.
Zwei Monate habe der innerparteiliche Diskurs zur Kandidatensuche gedauert, erklärte Mohr. Dass davon nichts nach außen gedrungen war, führte er als Beispiel dafür an, dass die CDU im Kreis „wie eine große Familie" sei. „In Berlin dagegen können einige nicht mal für zwei Stunden die Klappe halten."

Mit 38 Jahren, so Mohr, fühle er sich reif für größere Aufgaben, die er mit seinem Idealismus, dem Selbstbewusstsein eines Andreas Mattfeldt und dem Gespür und der Kompromissbereitschaft eines Wilhelm Hogrefe angehen wolle.

Dass er sich durchbeißen und behaupten kann, hat Mohr nach eigenen Worten auch dem Sozialdemokraten Heiner Falldorf zu verdanken. Dieser hätte – zunächst als Fraktionsvorsitzender, dann als Bürgermeister in Dörverden – jeden Antrag der Opposition abgeblockt. „Da habe ich viel gelernt, erlebt und erlitten", so Mohr. Erst nach seiner Wahl zum Chef der CDU-Gemeinderatsfraktion habe sich gegenseitiger Respekt entwickelt. „Heute duzen wir uns sogar."

Im Wahlkampf setzt Mohr auf eine „ge- und entschlossene CDU". In den Mittelpunkt werde er „vor-Ort-Themen" stellen. Außerdem dürfe es keine Schulden mehr auf Kosten künftiger Generationen geben. Als „Mann der Zahlen" sei ihm daran gelegen, dass „man nur das ausgibt, was man einnimmt." Der Vater einer zweijährigen Tochter will sein besonderes Augenmerk darüber hinaus auf die Bereiche Jugendhilfe sowie Kita- und Krippenausbau richten. Das von Bundesfamilienministerin Kristina Schröder gewollte Betreuungsgeld ist nicht in seinem Sinne. „Ich fürchte, dass dann viele Kinder einfach vor den Fernseher gesetzt werden."

Sein Wahlprogramm, bisher nur ein Grobkonzept, will Mohr mit den Vorständen der CDU-Gemeindeverbände verfeinern. Außerdem will er in den kommenden Monaten seinen Bekanntheitsgrad im Wahlkreis steigern. Das erklärte Ziel: Den Wahlkreis direkt zu gewinnen. Aufgrund seiner politischen Erfahrungen starte er nicht bei Null und „nicht als Vollpfosten", so Mohr.

Ihm sei bewusst, dass er in die Fußstapfen eines Mannes „mit beachtlichen Leistungen" trete. Der stellvertretende Landrat Axel Rott hatte zuvor betont, dass die „Verantwortungsgemeinschaft" im Kreistag Hogrefe zu verdanken sei. Wenn Landrat Peter Bohlmann (SPD) die CDU-Versammlung „herzlich" grüßen lasse, dann nicht ohne Grund: „Er weiß, auf wen er sich verlassen kann." Indem die CDU bei der Landratswahl Bohlmann unterstützte, habe sie sich selbst einen Gefallen getan, erklärte Hogrefe. Die Christdemokraten erreichten viel mehr, wenn sie nicht auf Konfrontationskurs gingen. „In Rotenburg sehen wir, was passiert, wenn man polarisiert: Dort regiert Rot-Grün."

Unter der Überschrift „Viel erreicht – viel zu tun" skizzierte Hogrefe künftige Aufgaben. Herausragend dabei: Der Kampf um den Erhalt Verdens als Kreissitz und die Sanierung großer Deichabschnitte. Dass es hier im Raum Verden nicht vorangehe, liege am Besitzer der Hönischer Mühle. „Der muss enteignet werden", so Hogrefe mit ungewohnter Schärfe. Um die Deiche zu sichern, seien weitere elf bis zwölf Millionen Euro nötig. „Dafür, lieber Adrian, müssen wir in Hannover kämpfen", gab er seinem designierten Nachfolger mit auf den Weg. Der jubelte erstmal über die Nominierung. Dass zwei CDU-Mitglieder gegen ihn waren und drei sich der Stimme enthielten, trübte seine Freude nicht.